DIE NÄCHSTEN SCHRITTE AUF DEM WEG ZU EINER EUROPÄISCHEN FÖDERATION

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JOINT DECLARATION OF THE UNION OF EUROPEAN FEDERALISTS & THE YOUNG EUROPEAN FEDERALISTS

Vor sechzig Jahren änderte die Erklärung Robert Schumans den Lauf der europäischen Geschichte. Sie zeichnet sich durch Kürze und Klarheit aus, war kühn und gleichzeitig visionär und bodenständig.

„Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.“

Der Vorschlag, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands zusammenzulegen, hatte zur Folge, dass die beiden Länder für ihr Wohlergehen aufeinander angewiesen waren. Sie teilten nunmehr ein gemeinsames Schicksal.

„Die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion wird sofort die Schaffung gemeinsamer Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung sichern – die erste Etappe der europäischen Föderation...“.

Ihrem Beispiel sollten andere folgen. Die neue Gemeinschaft für Kohle und Stahl war von Anfang an eine Einrichtung, „die allen Ländern offensteht, die daran teilnehmen wollen“.




„So wird einfach und rasch die Zusammenfassung der Interessen verwirklicht, die für die Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft unerlässlich ist und das Ferment einer weiteren und tieferen Gemeinschaft der Länder einschließt, die lange Zeit durch blutige Fehden getrennt waren. Durch die Zusammenlegung der Grundindustrien und die Errichtung einer neuen Hohen Behörde, deren Entscheidungen für Frankreich, Deutschland und die anderen teilnehmenden Länder bindend sein werden, wird dieser Vorschlag den ersten Grundstein einer europäischen Föderation bilden, die zur Bewahrung des Friedens unerlässlich ist.“

Sechzig Jahre danach ist das von Robert Schuman und Jean Monnet anvisierte Ziel einer europäischen Föderation nach vielen Erfolgen und einigen Fehlschlägen näher gerückt. Die Staaten haben ihre Hoheitsrechte zu großen Teilen in der Europäischen Union gebündelt, deren konstitutionelle Architektur zahlreiche föderale Merkmale aufweist. Durch den kürzlich in Kraft getretenen Vertrag von Lissabon wurden die Zuständigkeiten der Union erweitert und die Befugnisse ihrer Institutionen gestärkt. Dennoch ist die Errichtung eines föderalen Europa noch lange nicht abgeschlossen. Es bleibt noch viel zu tun.

Die Vollendung des Binnenmarktes steht noch aus, nicht zuletzt in den Bereichen Dienstleistungen, geistiges Eigentum, Wissenschaft, Forschung und Energie. Das Finanzsystem muss transparenter, tragfähiger und fortschrittlicher gestaltet werden, sodass es der EU die Mittel bereitstellen kann, die diese braucht, um ihre politischen Ziele zu erreichen und die Bedürfnisse ihrer Bürger zu befriedigen. Die EU muss besser in die Lage versetzt werden, Einnahmen zu erzielen sowie Kredite aufzunehmen und zu vergeben, um Investitionen in öffentliche europäische Güter wie Bildung, grüne Technologien und die Infrastruktur anzukurbeln.

Die Haushaltspolitik der EU sollte die wirtschaftliche Erholung Europas unterstützen. Bei der bevorstehenden Halbzeitüberprüfung des Haushalts und der Erarbeitung des neuen mehrjährigen Finanzrahmens für die Zeit ab 2013 sollten die Ausgaben von der einzelstaatlichen auf die föderale Ebene übertragen werden, wo Größenvorteile und Kosteneffizienz möglich sind oder ein Versagen des Marktes korrigiert werden kann. Das gilt insbesondere für den militärischen Sektor, auf dem die Europäische Verteidigungsagentur den Weg weist. Gleichzeitig sollten in allen Bereichen, in denen eine Ausgabenpolitik auf EU-Ebene nicht mehr angemessen ist, die einzelstaatlichen Finanzministerien eine größere Rolle spielen.

Die laufenden Verhandlungen zur Stärkung des Regulierungsrahmens für den Finanzsektor sollten letztlich auf die Einsetzung eines einheitlichen EU-Aufsichtsorgans für grenzübergreifende Finanzdienstleistungen hinauslaufen.

Eine Rückkehr zu Finanzdisziplin und kleinere Korrekturen am Stabilitäts- und Wachstumspakt reichen nicht aus. Wir brauchen dringend eine Wirtschaftsregierung, und zwar vor allem im Euro-Währungsgebiet, die über ausreichende exekutive Befugnisse verfügt und die Regierungen der Mitgliedstaaten anweisen kann, im Rahmen einer auf die beiden Ziele „Stabilität“ und „Wettbewerbsfähigkeit“ ausgerichteten Gesamtstrategie sich gegenseitig ergänzende Wirtschaftspolitiken zu beschließen.

Wir rufen die Task Force unter Vorsitz von Präsident Van Rompuy auf, der Schuman-Erklärung in Bezug auf Kühnheit und Zielstrebigkeit in nichts nachzustehen. Die Mitglieder des Europäischen Rates müssen individuelle Verantwortung übernehmen, während gleichzeitig ihre kollektiven Entscheidungen der Rechenschaftspflicht unterliegen.

Der Europäische Auswärtige Dienst muss schnellstmöglich eingerichtet und mit den Ressourcen ausgestattet werden, die er benötigt, um die derzeit verstreuten und nicht abgestimmten außenpolitischen Maßnahmen der Union zu koordinieren. Kommission und Rat sollten ihre institutionellen Eifersüchteleien beiseitelassen und der Logik des Lissabon-Vertrages folgend einen gemeinsamen diplomatischen Dienst aufbauen, der in der Lage ist, die Union zu einem beeindruckenden Akteur auf der Weltbühne zu entwickeln.

Die Staaten, die über die gebotenen militärischen Fähigkeiten und den politischen Willen verfügen, sollten keine Zeit verlieren und sich, wie im Lissabon-Vertrag vorgesehen, auf permanenter Grundlage zu einer integrierten Verteidigungsstruktur zusammenschließen.

Das Europäische Parlament muss seine Arbeit weiter deutlich verbessern. Die europäischen Parteien sollten mit Kampagnen für die praktische Umsetzung der EU-Bürgerschaft und die Entwicklung eines gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts an ihrer Erneuerung arbeiten. Mit Nachdruck befürworten wir den Vorschlag, rechtzeitig zu den Wahlen im Jahre 2014 für eine bestimmte Anzahl von Europaabgeordneten einen transnationalen Wahlkreis einzurichten.

Wir, die unterzeichneten Präsidenten der zwei seit langem bestehenden föderalistischen Organisationen in Europa, fordern die Institutionen der Europäischen Union und die nationalen Parlamente auf, sich das Grundanliegen der Schuman-Erklärung ins Gedächtnis zurückzurufen und das Engagement der Union für Frieden, Solidarität und Erweiterung zu bekräftigen. Dies sind die nächsten Schritte für den Aufbau einer europäischen Föderation.

Andrew Duff MEP, President UEF
Philippe Adriaenssens, President JEF

WARUM EIN PARLAMENT WÄHLEN, OHNE EINFLUSS AUF DIE EUROPÄISCHE REGIERUNG ZU HABEN?

Guido Montani, Vize-Präsident der UEF

Die Wahl zum Europäischen Parlament enthüllt ein zweifaches Defizit der Europäischen Union: ein Demokratie- und ein Regierungsdefizit. Die Bürger nehmen bereitwillig an nationalen Wahlen teil, weil sie hier nicht nur eine politische Partei wählen können, sondern auch, wer das Land regiert.

Auf europäischer Ebene ist diese Wahl unmöglich. Das Europäische Parlament hat viel Macht, aber wie es Entscheidungen trifft bleibt ein Mysterium. Wer ist für europäische Politik verantwortlich? Auf diese Frage kann kein Bürger antworten. Eben wegen dieses unklaren demokratischen Prozesses wird die Europäische Union als bürokratische Institution bezeichnet.

Die Europäische Kommission ist die einzige Exekutivmacht, die dem Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Sie hat nichts getan, um ihre Macht dazu zu nutzen, die demokratische Lücke zu schließen. Anstatt beispielsweise mutige Maßnahmen gegen die Finanzkrise vorzuschlagen - und damit Delors Vorschlag, Anleihen auszugeben, um einen effektiven Aufschwungsplan zu finanzieren, wiederzubeleben – fügt sich Barrosos Kommission willig in die Rolle des fügigen Ratsekretariates. Deshalb gehen nur unationale Regierungen gegen die Finanzkrise vor, und dies auch nur sehr unkoordiniert und unwirksam.

Die Europäische Union wird erst dann eine politische Gemeinschaft werden, wenn eine politische Debatte zwischen einer Mehrheit und einer Minderheit im Europäischen Parlament Gestalt annimmt. Es ist kein neuer Vertrag nötig, um einen demokratischen Kampf zu beginnen.

Die europäischen Parteien haben die Macht, das Demokratie- und Regierungsdefizit zu überwinden. Sie hatten die Chance, vor der Wahl einen Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten vorzuschlagen. In diesem Fall hätten die Bürger die Gelegenheit gehabt, an einem richtigen europaweiten politischen Wettbewerb teilzunehmen, mit verschiedenen Kandidaten, die ein europäisches Regierungsprogramm unterstützen.

Nur die Konservativen haben Barroso als Kandidaten vorgeschlagen. Die anderen Parteien, allen voran die Sozialdemokraten, haben die Herausforderung nicht angenommen. Deshalb verkamen die Europäischen Wahlen zu einer Summe nationaler Wettbewerbe. Mehrere europaskeptische Parteien haben Sitze im Parlament gewonnen und die Wahlbeteiligung sank erneut.

Die Europawahlen 2009 sind eine verpasste Gelegenheit.

Es ist nicht wahr, dass die europäischen Bürger Europa nicht mögen. Mehrere Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der europäischen Bürger für eine europäische Föderation ist. Die Bestimmung der Europäischen Union ist nicht ein Europa der Vaterländer, “l’Europe des patries”. Die Grünen Cohn-Bendits hatten ein ausgezeichnetes Ergebnis, weil sie den Mut hatten, einen deutlichen Plan für ein föderales Europa vorzustellen.

Was wir aus den Europawahlen 2009 lernen müssen ist deutlich: Europa braucht eine föderale Regierung. Die europäischen Bürger sind bereit, politische Parteien zu unterstützen, die für eine demokratische Regierung kämpfen, die dem Europäischen Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Im neuen Parlament haben die europäischen Parteien die Macht – wenn sie sie nutzen – das zweifache Defizit der Europäischen Union zu überwinden.

Bescheidene Sozialdemokraten weden Europa niemals demokratisch machen

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Von Asa Gunven

Martin Schulz, der Vorsitzende der Sozialdemokraten, ist nicht an Macht interessiert. Weder für die europäischen Sozialdemokraten noch für die Wähler. Diese sehr bescheidene Position mag dem Bild vom machtgeilen Politiker widersprechen, wird aber kaum zu einer demokratischeren EU beitragen.

Martin SchulzMartin Schulz is gegen einen sozialdemokratischen Kommissionspräsidenten, sogar wenn die Sozialdemokraten eine Mehrheit im Europäischen Parlament bekommen sollten, berichtet die Financial Times Deutschland. Die europäischen Regierungen sind mehrheitlich konservativ, also sollte, folgert Martin Schulz, auch der Kommissionspräsident konservativ sein – egal, wie die Europäischen Wähler im Juni abstimmen. Offensichtlich vertritt die Kommission für Martin Schulzdie europäischen Regierungen, nicht die Bürger. Aber glaubt er wirklich, dass es ein Zufall ist, dass der Kommissionspräsident direkt nach der Wahl zum europäischen Parlament ernannt wird? Oder dass es bisher Glück war, dass der Kommissionspräsident immer die Mehrheit des Europäischen Parlaments vertrat? Es ist kaum ein Zufall, dass das Europäische Parlament die Institution ist, die hinsichtlich des Kommissionspräsidenten das letzte Wort hat.

Mit dem Lissaboner Vertrag wird der Kommissionspräsident so gewählt, dass er die Mehrheit im Parlament widerspiegelt. Es gibt auch momentan, bevor der Vertrag ratifiziert ist, nichts, was gegen dieses Vorgehen spricht – bereits jetzt ist es Sache des Europäischen Parlaments und seiner Mehrheit, wen sie ernennen. Martin Schulz schlägt vor, die Macht der Sozialdemokraten und der Wähler, den Kommissionspräsidenten zu bestimmen, grundlos abzugeben, ohne eine Gegenleistung für diese Bescheidenheit zu erwarten. Aber vielleicht gibt es eine Gegenleistung – nicht für die Fraktion der Sozialdemokraten, deren Vorsitzender Martin Schulz ist, sondern für Martin Schulz selbst. Als wahrscheinliches Mitglied der nächsten Kommission scheint Martin Schulz seine vollständige Unterstützung für den konservativen Barroso gegen einen bequemen Sitz in der Kommission einzutauschen, wo er eine größere Unterstützung der konservativen Mehrheit der Regierungen, auf die er sich bezieht, genießen könnte.

Die offene Weigerung, einen Kommissionspräsidenten der Sozialdemokraten anzunehmen, hebt das Demokratieproblem in Europa auf eine andere Stufe. Nicht nur können oder wollen die Parteien keine Kandidaten für den höchsten Exekutivposten in Europa benennen - sie würden diesen Posten nicht einmal annehmen, wenn er ihnen angeboten würde.

Während ich als Wähler erwarte, die Zusammensetzung der Kommission mit meiner Stimme beeinflussen zu können, möchte Martin Schulz sogar diese Möglichkeit, demokratisch Einfluss zu nehmen, verhindern. Dies unterstreicht die Bedeutung richtiger institutioneller Reformen, die die Mittel einzelner Parteivorsitzenden einschränken, zu bestimmen, inwieweit ich demokratischen Einfluss ausüben kann. Ich sage “einzelne Parteivorsitzende”, weil in der Kampagne der Föderalisten, die mehrere Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten forderte, sehr deutlich wurde, dass die Parteimitglieder, die keine Führungspositionen inne haben, nichts von einer Debatte, oder der Möglichkeit, ihren Kandidaten zu benennen, wissen.

Die Kommission sollte die europäischen Bürger vertreten. Ein erster Schritt ist, die Wahl des Präsidenten an die Europawahlen zu koppeln. Ein zweiter Schritt, alle Mitglieder der Kommission dem Europäischen Parlament sowie den Wählern rechenschaftspflichtig zu machen, anstatt jeden einzelnen gegenüber ihrer oder seiner nationalen Regierung (die übrigens während des Kommissionsmandat desöfteren die Farbe wechselt).

Tell BarrosoSchön für Barroso, dass er eine sehr gut sichtbare Wahlkampagne führt, die vollständig von der EU und ihren Steuerzahlern finanziert wird und in deren Mittelpunkt seine Website www.tellbarroso.eu mit einem schicken Bild von ihm steht. Wahrscheinlich könnte er sein ekzentrischen Wahlkampf etwas lockerer angehen, da er von den anderen Europäischen Parteien in keiner Weise herausgefordert wird. Was ich mich frage ist, wen ich wählen soll, wenn ich Barroso nicht will? Martin Schulz’ Antwort scheint zu sein, dass ich mir keine Sorgen machen soll - Barroso wird bleiben, egal für wen wir wählen.

5 friends 4 Europe

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Europawahl-Prognose: Die Wähler setzen auf politische Konstanz

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Von Marco Hardt, Pressesprecher der Europa-Union Deutschland

Berlin (ots) - Trotz der Wirtschafskrise setzen die Europäer auf politische Konstanz. Würden die Wählerinnen und Wähler heute zur Europawahl gebeten, würden sie die Kräfteverhältnisse im Europäischen Parlament weitgehend bestätigen. Das zeigt die am 7. April 2009 von der parteiübergreifenden Europa-Union Deutschland und Burson-Marsteller in Berlin präsentierte Europawahlprognose Predict09.eu.

Demnach würde die konservativ-christdemokratische EVP-ED auch trotz eines möglichen Ausscherens der britischen Konservativen und der tschechischen ODS weiter die größte Fraktion stellen. Die sozialdemokratische SPE-Fraktion könnte ihre relative Stärke im Parlament leicht ausbauen. Insgesamt schließen die Mitte-Links-Parteien auf und stellen ungefähr gleich viele Mandate wie die Mitte-Rechts-Parteien. Rechts- und Linksaußen-Parteien und Europaskeptiker werden auch im neuen Parlament keine tragende Rolle spielen.

Die Prognose Predict09.eu sieht für Deutschland ein bemerkenswertes Ergebnis voraus: Demnach würde sich die SPD um 7,2% auf 28,7% deutlich verbessern. Die CDU fiele um 8,8% auf 27,7%, und die CSU würde mit 6,8% (-1,2%) trotz deutlicher Verluste die Fünf-Prozent-Hürde deutlich meistern. Die FDP (+7,3% auf 13,4%) und Die Linke (+4,3% auf 10,4%) könnten zu den großen Gewinnern der Wahl werden, während Die Grünen (-2,2% auf 9,7%) voraussichtlich einen leichten Rückgang werden hinnehmen müssen.

Predict09.eu stellt ein neuartiges Prognoseverfahren dar. Damit wird es erstmals möglich sein, im Vorfeld von Europäischen Wahlen belastbare Prognosen abzugeben. Predict09.eu ist ein Modell, das im Auftrag von Burson-Marsteller von der London School of Economics und dem Trinity College Dublin entwickelt wurde. Predict09.eu stützt sich auf einer Auswertung aller bisherigen Europäischen Wahlen. Im Rahmen der Analyse wurde ermittelt, welche Faktoren bisher am besten geeignet waren, um den Ausgang der Wahl zu erklären. Ausgehend von nationalen Umfragen werden die Umfrageergebnisse der einzelnen Parteien mit den ermittelten Faktoren "korrigiert". Dieses Prognoseverfahren erzielt präzisere Ergebnisse als ein schlichtes Zusammenzählen vorliegender nationaler Umfragen.

Auf www.predict09.eu werden regelmäßig neue nationale Prognosen eingespeist und die möglichen Konsequenzen für die Sitzverteilung im Europäischen Parlament dargestellt.

Die Predict09.eu Prognose für das Europäische Parlament:

Informationen zu allen deutschen Kandidaten, die sich am 7. Juni zur Wahl für einen Sitz im Europäischen Parlament stellen, gibt es auf dem Europawahlportal der Europa-Union Deutschland unter www.wahlen-europa.de.

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Die Zeit ist reif für Europa

Von Joan Marc Simon, Generalsekretär der UEF
Übersetzt von Julia Brink

Die Zeit ist reif für Europa. Der derzeitige wirtschaftliche Abschwung kann eine gefährliche Bedrohung für das europäische Projekt bedeuten. Zweifelsohne könnte er jedoch auch die Gelegenheit sein, auf die Föderalisten seit Jahren warten. Gerade in Krisenzeiten ist der Wert eines vereinten Europas offensichtlicher denn je. Gerade jetzt müssen wir uns umso stärker für eine neue vertragliche Grundlage für die Union einsetzen, für eine einheitliche wirtschaftliche Steuerung, einen soliden europäischen Haushalt, eine gemeinsame Stimme in der Welt...

Ich freue mich, das Manifest der UEF präsentieren zu dürfen: Gemeinsam stärker für ein föderales Europa ist seine Botschaft. Sie unterstreicht, wie wichtig es ist, in Zeiten der Krise vereint zu bleiben und nationalistischen Tendenzen zu trotzen.

Das Manifest enthält zwölf Punkte, die allen Befürwortern eines föderalen Europas in den nächsten vier Monaten als Orientierung dienen sollen. Vom Lissaboner Vertrag hin zu Finanz- und Wirtschaftskrise, von der Energiestrategie zum Klimawandel und von der Außen- und Sicherheitspolitik zu Recht und Innenpolitik - das Manifesto vereint alle föderalistischen Standpunkte zu diesem historischen Zeitpunkt. Lesen Sie es hier.

Die nächsten Monate bieten der EU Gelegenheit, zur nächsthöheren Stufe der Integration aufzusteigen. Ziel der UEF ist es, in den kommenden Monaten Bürger zu ermutigen, die sich für ein stärkeres und demokratischeres Europa engagieren wollen. Ein Europa, das den Erwartungen seiner Bürger besser gerecht wird.

Barroso: Der Kandidat aller europäischen Parteien

Von Joan Marc Simon, Generalsekretär der UEF
Übersetzt von Julia Brink

Es ist so verwirrend wie absurd: In ihrem gestrigen Treffen sprach die Parteiführung der Europäischen Volkspartei Barroso ihre Unterstützung für eine zweite Amtszeit als Präsident der europäischen Kommission aus. Trotzdem steht immer noch keine Partei hinter Barrosos Ambitionen, sein Mandat zu erneuern.

Barroso Man könnte erwarten, dass ein Kandidat, den die Parteiführung unterstützt und niemand innerhalb der Partei ablehnt, DER Kandidat DIESER Partei wird. Nicht so in der europäischen Politik.

Ebenso wenig wie die Konservativen haben die Sozialdemokraten einen offiziellen Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten ernannt. Als Rasmussen, der Präsident der SPE, während der Präsentation des SPE Manifestes darauf angesprochen wurde, behauptete er, die Partei habe sich „noch“ nicht auf einen Kandidaten geeinigt. Gleichzeitig bekunden sozialdemokratische Premierminister wie Zapatero, Socrates und Brown bereits offen ihre Unterstützung für Barroso. Es ist wohl einfach, sich hinter einen Kandidaten zu stellen, wenn der ganze Wettbewerb eine Farce ist...

Barroso, der Präsident der Institution, die die Exekutive der EU sein soll, wird von Einzelpersonen unterstützt. Diese Einzelpersonen sind keine „normalen“ Einzelpersonen, sie sind die Staats- und Regierungschefs. Was sagt dies über den zukünftigen Kommissionspräsidenten und die Kommission als Ganzes aus?

Barroso and Zapatero
''Source European Communities, 2009

Erstens, dass das „europäische Interesse“ nicht von einer Institution vertreten werden kann, deren Präsident sich in den Fängen der Staats- und Regierungschefs befindet. Für die Interessen der Mitgliedsstaaten war immer der Ratspräsident verantworlich - aber es scheint, als würde sich die Kommission gefährlich auf diese intergouvernementalen Option zubewegen.

Zweitens sollten als Folge hieraus keine Erwartungen an die Führungskraft oder Initiativmacht einer Institution gestellt werden, die ohne politisches Programm gewählt wurde und von den Interessen der Mitgliedsstaaten dominiert wird.

Führung ist in Krisenzeiten außerordentlich wichtig. Ohne eine starke Europäische Kommission, die Anstöße liefert, um die Finanzmärkte zu regulieren, Ressourcen für einen wirtschaftlichen Neubeginn aufzubringen und in die erforderliche Infrastruktur für eine neue grüne Wirtschaft zu investieren, ist die EU dazu verurteilt, für ihre Bürger zu scheitern.

Führungskraft ergibt sich aus Persönlichkeit, aber auch aus Legitimation und Anerkennung. Warum sollten die Europäer, selbst jene, die an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilnehmen, das Gefühlt haben, dass Barroso sie vertritt? Sie werden für ein Programm stimmen, das nicht umgesetzt werden kann - weil Barrosos Programm in den Treffen der Staats- und Regierungschefs improvisiert und nicht der öffentlichen Meinung unterworfen wird.

Wenn die EVP das gleiche Programm wie Barroso hat – was Sinn machen würde, schließlich gehört er zu dieser Partei gehört und deren Führung unterstützt ihn – warum ist Barroso dann nicht der Kandidat der EVP? Stellen die Konservativen ihn nicht als ihren Kandidaten auf, weil sie fürchten, dass sie die Sozialdemokraten dadurch zwingen würden, zu verkünden, dass Barroso NICHT ihr Kandidat ist?

Wenn Barroso der Kandidat keiner Partei ist… Sollten wir dann schlussfolgern, dass er tatsächlich der Kandidat aller Parteien ist?

Wenn ja, leben wir in einer seltsamen Phase der europäischen Demokratie.

Eine Wahl für Europa?

Von Julia Brink, Jungen Europäischen Föderalisten

Die europäischen Institutionen bekämpfen die geringe Beteiligung an den Europawahlen mit einer gemeinsamen europaweiten Strategie und dem Motto: „Deine Entscheidung!“. Das Problem: Eine Entscheidung setzt verschiedene Wahlmöglichkeiten voraus. Eine gemeinsame Kampagne erfordert eine gemeinsame Diskussion.

Paradoxerweise hat die Beteiligung an den Europawahlen seit den ersten direkten Wahlen 1979 stetig abgenommen, während das Europäischen Parlament parallel dazu kontinuierlich an Macht gewann. Immer mehr Gesetze werden von der „Bürgerkammer” verabschiedet, während immer weniger Bürger Gebrauch von ihrem Wahlrecht machen, um diese Entscheidung direkt zu beeinflussen.

EP elections comm campaign
"Wie offen sollten unsere Grenzen sein?" - befürwortet das Europäische Parlament eine Festung Europa?

Alles dreht sich um Entscheidung

Dieses Jahr sieht die Kommunikationsstrategie des Europäischen Parlaments erstmals nicht vor, die Bürger an ihre Pflicht und Verantwortung zu erinnern – in den Europawahlen 2009 dreht sich alles um Entscheidung. Die Hauptinformation ist, dass jeder Wahlberechtigte europäische Politik durch ein Kreuz auf dem Stimmzettel direkt beeinflussen kann. Diese Botschaft wird mit einer einzigen Kampagne europaweit verbreitet: Postkarten, Plakate und dreidimensionale Installationen, die wichtige Fragen zu Energie, Sicherheit, Marktwirtschaft, Klimawandel, Verbraucherschutz und anderen wichtigen Bereichen aufwerfen. In so genannten “choice boxes” können Interessierte Kommentare und Ansichten zu europäischen Themen aufnehmen. Ausgewählte Szenen werden auf Europarl TV, Youtube und Bildschirmen an den Außenwänden der Boxen abgespielt. Um alle potenziellen Wähler zu erreichen, wird die Kampagne auch im Fernsehen und Radio präsent sein; My Space, Flickr und Facebook sollen junge Wähler anziehen.

So weit, so gut. Europa steht wichtigen Herausforderungen gegenüber, bedeutsame Entscheidungen stehen an. Es ist unbedingt nötig, dass die Bürger Einfluss auf die Richtung der zukünftigen Politik nehmen können. Positiverweise haben sich das Europäischen Parlament und die Europäische Kommission auf eine einzige Kampagne in ganz Europa geeinigt, die Fragen aufwirft, die zweifelsohne auf europäischer Ebene diskutiert werden müssen. Aber inwieweit ist diese Kampagne wirklich eine europäische und inwieweit liegt die Entscheidung wirklich bei den Wählern?

Die Katze im Sack “wählen”

Es ist richtig, dass die Europäische Union großen wirtschaftlichen, finanziellen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen gegenübersteht, die nur von allen Mitgliedstaaten gemeinsam gelöst werden können. Die Kampagne des Europäischen Parlaments soll verdeutlichen, dass die Wähler die Entscheidungen der nächsten Legislaturperiode durch ihr Kreuz für diese oder jene Partei beeinflussen können. Auf europäischer Ebene zu wählen ist allerdings immer noch ein bisschen wie die Katze im Sack zu kaufen. Der Wähler entscheidet sich für eine nationale politische Partei, die im Parlament Teil einer europäischen Partei wird. Auf dem Stimmzettel gibt es keinen Hinweis darauf, welche Partei dies sein wird.

Wenn das Europäischen Parlament Wahlmöglichkeiten bietet, sollte es auch deutlich machen, worin diese bestehen und was ihre Folgen sind. Die Namen und Logos der Gruppen im europäischen Parlament auf dem Wahlzettel hinter die nationale Partei zu setzen wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es würde jedoch nichts daran ändern, dass europäische Parteien aufgrund ihrer Natur als Zusammenschluss nationaler Parteien sehr heterogen sind. Die einzige Möglichkeit, wirklich zu wissen, wofür diese Parteien stehen und eine richtige Wahl zu treffen, ist direkt für europäische Parteien zu stimmen. Deren transnationale Listen würden den Bürgern erlauben, Kandidaten aus ganz Europa zu wählen - egal, wo diese herkommen.

Barroso, Barroso oder Barroso?

Es beginnt mit den Namen der europäischen Parteien und geht mit den Gesichtern der Kandidaten zu den wichtigsten EU Positionen weiter. Wieviel können wir wirklich mitentscheiden? Wen wählen wir, wenn wir unsere Stimme dieser oder jener Partei geben? Prinzipiell könnten die europäischen Bürger mit ihrer Stimme für eine bestimmte Partei automatisch die Zusammensetzung der Exekutive, der Europäische Kommission, beeinflussen. Direkt im Anschluss an die Wahlen zum Europäischen Parlament wird der nächste Kommissionspräsident ernannt. Die ”Bürgerkammer” hat hier das letzte Wort. Es ware überaus sinnvoll und demokratisch, wenn der Kandidat der stärksten Partei oder Koalition Kommissionspräsident werden würde. Auf diese Weise könnten die Wähler die Zusammensetzung der Kommission beeinflussen und sie zur Rechenschaft ziehen. Hierfür wäre es allerdings nötig, dass Parlament und Parteien in der Europäischen Union ihre Verantwortung, politische Entscheidungen ernsthaft zu präsentieren, ernstnehmen, und einen Kandidaten für diese Position nominieren. Bisher hat das keine Partei getan. Namen und Gesichter der Kandidaten für die wichtigsten politischen Positionen der europäischen Institutionen werden erst nach der Wahl bekannt gegeben. Egal für wen die Menschen in Europa stimmen, der Kommissionspräsident wird aller Wahrscheinlichkeit nach Barroso bleiben. Die Unterstützung der meisten Staats- und Regierungschefs für eine zweite Amtszeit hat er bereits – selbst die von Sozialisten wie Brown und Zapatero. Parlament und Bürger werden nicht gefragt. Was steht also zur Wahl? Es überrascht nicht, dass viele europäische Bürger denken, ihre Stimme zähle nicht und das ganze EU System sei intransparent. Von diesem Standpunkt aus klingt eine Kampagne mit dem Slogan „Deine Entscheidung!“ im besten Falle ironisch. „Entscheiden“ bedeutet, dass man zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann. Wenn die europäischen Parteien keinen Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten benennen, werden die Bürger ihre „Entscheidung“ nicht lange überdenken müssen: Zur Wahl stehen Barroso, Barroso und Barroso.

Eine gemeinsame europäische Kampagne?

Europäischen Wahlen sind immer noch national dominiert. Die „Entscheidung“ der Bürger fällt lediglich zwischen ihren eigenen nationalen Parteien, nicht zwischen transnationalen Parteien mit Kandidaten aus allen Ländern. Die Konsequenz: Diskussionen sind auf die nationale Ebene begrenzt. Fragen wie „Mobilität sichern – aber wie?“, „Freiheit und Sicherheit verbinden - aber wie?“ und „In die Zukunft investieren – aber wie?“ sind sehr wichtig. Solange sie nicht grenzenübergreifend diskutiert werden, solange Parteien Kampagnen führen, die auf nationale Politik beschränkt sind, wird es auf diese Fragen jedoch keine Antwort geben. Stattdessen werden sie in die nächsten nationalen Wahlen einfließen – die in einigen Ländern, wie Deutschland, ohnehin die europäischen Wahlen überlagern. Da die Kampagne des Europäischen Parlaments auf die einzelnen EU Mitgliedsstaaten zugeschnitten ist, unterstützt sie zu die Tendenz, Debatten auf nationaler Ebene zu führen. Beispielsweise werden die Poster und Installationen, die sich mit Einwanderungsfragen beschäftigen, vor allem in Südeuropa präsent sein. Auf ihnen ist eine Festung und eine Hecke abgebildet, gemeinsam mit der Frage „Wie offen sollten unsere Grenzen sein?“. Abgesehen davon, dass diese Präsentation überaus suggestiv wirkt, vereinfacht sie dieses komplizierte Thema so sehr, dass es schwierig sein wird, ernsthafte darüber zu diskutieren - vor allem auf europäischer Ebene.

So geht die Strategie am wichtigsten Punkt vorbei: Zu erklären, warum es essentiell ist, die genannten Probleme auf europäischer Ebene zu lösen und Debatten anzuregen, die über die nationale Perspektive hinausgehen. Eines der Hauptanliegen der Kampagne war es, die Sprache der Bürger zu sprechen, die Botschaft ist: „Deine Entscheidung!“. Es ist Zeit für das Europäische Parlament, seine Wähler in richtige Diskussionen einzubeziehen. Es ist Zeit, die Basis für richtige Entscheidungen zu schaffen.

Manifest der JEF Europa zur Europawahl 2009

Wir, die Jugend Europas, vertrauen in die Werte von Frieden, Freiheit und Solidarität.

Wir sehen in der Einigung des Kontinents den Erfolg der europäischen Integration, die Demokratie und den Wohlstand zu sichern.

Unsere Gegenwart ist die Europäische Union, ein föderales Europa hingegen unsere Zukunft, die durch die schnelle Entwicklung der Globalisierung herausgefordert wird. Internationale Krisen in Bereich der Finanzen, der Sicherheit, der Umwelt und der Nahrungsversorgung sind offensichtlich. Wir können diesen Herausforderungen nur durch eine Europäische Union begegnen, die auch als eine politische Union auftritt und handelt.

JEF EP Campaign Logo

Es ist Zeit zu handeln!

Wir erwarten innovative und mutige Entscheidungen. Wir wollen konkrete Vorteile durch die Europäische Union im Alltag, daher fordern wir:

  • eine europäische Wirtschaftspolitik, um Wachstum, Arbeitsplätze und nachhaltige Entwicklung zu sichern. Besonders für junge Menschen;
  • eine europäische Umwelt- und Energiebehörde, die eine globale Führung im Kampf gegen den Klimawandel übernimmt, und einheitliche europäische Energiereserven, die eine strategische Unabhängigkeit der Europäischen Union garantieren;
  • eine Solidaritätsverpflichtung, um die Mitgliedsstaaten gegen Terror und Umweltkatastrophen zu schützten;
  • europäische Blauhelme, die es der EU im Rahmen einer wirklichen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ermöglichen zur Friedenserhaltung beizutragen;
  • europäische Bürgerbegehren, um der Stimme der europäischen Bürgerinnen und Bürger mehr Gewicht zu verleihen;
  • europäische Symbole, die von allen europäischen Institutionen anerkannt werden.

Wir bitten die Kandidaten zu den Europawahlen im Juni 2009 auf, unsere Vorschläge zu unterstützen. Ferner bitten wir das Europäische Parlament, schon jetzt von dem im Lissabonvertrag verankerten Recht Gebrauch zu machen, entsprechende Initiativen zur Vertragsreform zu starten, um das nötige rechtliche Gerüst zu schaffen, um den europäischen Bürgerinnen und Bürgern eine wahre europäische, föderale Regierung zu geben.

Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich unseren Forderungen durch Unterschrift dieses Manifests, anzuschließen.

Es ist Zeit zu handeln … es ist Zeit für Europa!

Gemeinsam Stärker in einem Föderalen Europa

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Europa braucht eine größere Geschlossenheit, um sich seiner derzeitigen Wirtschafts- und Verfassungskrise zu stellen. Das ist die Botschaft der europäischen Föderalisten am Vorabend der Wahlen zum Europäischen Parlament.

1. Der Vertrag von Lissabon muss so rasch wie möglich ratifiziert und wirksam umgesetzt werden. Mit dem Inkrafttreten des neuen Vertrages wird die Union über eine bislang beispiellose internationale Handlungskompetenz verfügen. Wir werden es mit einer mächtigeren, offeneren und demokratischeren Union zu tun haben. Falls der Lissabon-Vertrag nicht in Kraft tritt, sollte sich das Europäische Parlament unverzüglich für einen neuen Verfassungskonvent einsetzen.

2. Die EU muss umgehend Maßnahmen für eine strenge und transparente Beaufsichtigung des Banken-, Wertpapier- und Versicherungssektors treffen und in diesem Zusammenhang eine EU-Finanzdienstleistungsbehörde einrichten. Anstelle der derzeit schwachen Koordinierung einzelstaatlicher Politiken sollte es eine gemeinsame makroökonomische Politik geben. Zur Finanzierung des Konjunkturprogramms sollten EU-Anleihen aufgelegt werden.

3. Die schwache Wirtschaft ist keine Rechtfertigung für eine Rückkehr zu nationalem Protektionismus. Die EU sollte sich um die Vollendung des Binnenmarktes in den Bereichen Finanzen, Dienstleistungen, Energie und geistiges Eigentum bemühen. Zur Schaffung geeigneter Bedingungen für neue langfristige Investitionen sind dringend strukturelle Reformen des Arbeitsmarktes erforderlich, die Europas soziale Dimension stärken. Die WTO-Verhandlungen müssen wieder aufgenommen werden.

4. Die EU braucht eine grundlegende Revision ihres Finanzsystems. Ein relevanter Teil der Ausgaben sollte von der einzelstaatlichen auf die europäische Ebene verlagert werden, um einen echten Nutzen aus der Union zu ziehen. Wird ein größerer Teil der Mittel gemeinsam auf europäischer Ebene ausgegeben, wird weniger durch zusammenhanglose nationale Bemühungen verschwendet werden. Der EU-Haushalt sollte nach dem Prinzip des fiskalischen Föderalismus mit ausreichenden Ressourcen zur Finanzierung gemeinsamer Maßnahmen ausgestattet werden, die zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Schaffung von „grünen“ Arbeitsplätzen in ganz Europa beitragen. Für EU-Ausgaben sollte uneingeschränkte Rechenschaftspflicht bestehen.

5. Die Staaten der Eurozone müssen ihre Unabhängigkeit gegenüber jenen aufrechterhalten, die sich nicht an der Währungsunion beteiligen können oder wollen. Die Eurogruppe muss in internationalen Währungsangelegenheiten geschlossen auftreten und die führende Rolle bei der Reform des internationalen Währungssystems übernehmen. Die EU sollte sich für die Einrichtung eines globalen Aufsichtssystems über Währungszonen hinweg einsetzen, wobei das längerfristige Ziel in der Schaffung einer Weltwährungseinheit besteht.

6. Die EU muss die treibende Kraft bei den unter der Schirmherrschaft der UN stattfindenden Gesprächen über den Klimawandel sein. Das Ziel ist es, Kopenhagen im Dezember 2009 mit einem international vereinbarten Maßnahmepaket zu verlassen, das auf dem EU-Modell zur Senkung der Kohlenstoffemissionen, zur Energieeinsparung und zur verstärkten Verwendung erneuerbarer Energien basiert.

7. Der Binnenmarkt muss auf die Energieversorgung ausgeweitet werden, so dass die Verbraucher von einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit und besseren Verknüpfungen innerhalb der Branche profitieren. Die EU sollte direkt in alternative Energiequellen investieren. Sie muss die Energieunternehmen beim Aufbau des europäischen Höchstspannungsnetzes sowie der für die Aufnahme der Lieferungen aus Asien und Afrika erforderlichen Infrastruktur unterstützen.

8. Unabhängig davon, welches Schicksal dem Lissabon-Vertrag beschieden ist, muss die EU einen verstärkten Beitrag zu Frieden und Abrüstung in der Welt leisten. Das erfordert ein engagiertes Handeln zur Reformierung der Vereinten Nationen sowie zum Ausbau von Europas eigenen zivilen und militärischen Fähigkeiten, damit es in jeder erforderlichen Situation als glaubwürdiger Friedensstifter auftreten kann.

9. Diejenigen EU-Staaten, die über den politischen Willen und die nötigen militärischen Mittel verfügen, müssen eine Kerngruppe im Bereich Sicherheit und Verteidigung bilden. Das wird dazu beitragen, die NATO zu modernisieren und die transatlantischen Beziehungen auf eine solide Basis zu stellen. Sollten die Iren den Lissabon-Vertrag erneut ablehnen, muss als nächster Schritt unbedingt ein separater EU-Vertrag im Bereich Sicherheit und Verteidigung zwischen einigen, jedoch nicht allen EU-Mitgliedstaaten abgeschlossen werden.

10. Die Union sollte an ihren bestehenden Verpflichtungen zur Erweiterung festhalten und in ihrer Nachbarschaft ihre Wertvorstellungen vermitteln sowie Stabilität und relativen Wohlstand durchsetzen. Von oberster Priorität ist dabei die Herbeiführung einer Versöhnung zwischen den beiden Gemeinschaften in Zypern und deren Vereinigung in einer föderalen Republik.

11.Die Schaffung eines gemeinsamen Raumes der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts hat gerade erst begonnen. Die EU muss unbedingt ihre Visumpolitik überarbeiten und gemeinsame Politiken für Asyl sowie für legale und illegale Einwanderung konzipieren. Die europäischen Staaten müssen gemeinsam die internationale Kriminalität bekämpfen und dafür Sorge tragen, dass eine faire Rechtsprechung und die bürgerlichen Grundrechte für jeden garantiert sind. Eine stärkere Integration im Zivilrecht wird Familien und Verbrauchern zugute kommen.

12. Das Europäische Parlament muss seine neuen demokratischen Befugnisse und Verantwortlichkeiten mit Energie und Geschick wahrnehmen, insbesondere bei der Gestaltung des Programms der neuen Kommission. Die Abgeordneten sollten ihr eigenes Wahlverfahren reformieren, so dass 2014 einige von ihnen in einem einheitlichen transnationalen europäischen Wahlbezirk gewählt werden. Eine solche Reform ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die europäischen politischen Parteien auch weiterhin ihrem Anliegen gerecht werden können, denn sie werden dadurch direkt mit den Bürgern verbunden und die Bürger selbst erhalten ein starkes Mitspracherecht, was die Gestaltung Europas anbetrifft.

Die Union der Europäischen Föderalisten ist eine supranationale politische Bewegung, die sich der Einigung Europas nach föderalen Grundsätzen verpflichtet fühlt. Sie richtet dieses Manifest an die Parteien und Kandidaten, die im Juni 2009 bei den Wahlen zum Europäischen Parlament antreten werden. www.federalists.eu